Leistung
Produktionskennzahlen automatisch auswerten
Fast jeder Betrieb erfasst Zahlen — Stückzahlen, Ausschuss, Stillstände. Der Haken ist, dass sie meist erst zusammengerechnet werden, wenn der Monat gelaufen ist und man ohnehin nichts mehr ändern kann.
Das Problem
Zahlen sind reichlich da. Was fehlt, ist der Zeitpunkt. Wenn die Auswertung am fünften des Folgemonats fertig ist, beschreibt sie eine Vergangenheit, in die niemand mehr eingreifen kann. Man erfährt, dass eine Linie im letzten Monat viel Ausschuss produziert hat — aber der Ausschuss ist längst produziert.
Dazu kommt das Misstrauen gegenüber den eigenen Zahlen. Wenn eine Kennzahl per Hand aus mehreren Listen zusammengetragen wird, weiß jeder im Raum, dass sich dabei ein Fehler eingeschlichen haben kann. Also wird über die Zahl diskutiert statt über das Problem, das sie zeigt.
Wie heute ausgewertet wird
Am Monatsende exportiert jemand Daten aus der Maschinensteuerung, holt Stückzahlen aus einer Excel-Liste, ergänzt die Störungen aus einem handschriftlichen Buch und baut daraus ein Diagramm für die Besprechung. Das kostet einen halben Tag, ist genau einmal aktuell und veraltet ab dem Moment der Fertigstellung. Für die nächste Besprechung beginnt dieselbe Arbeit von vorn.
Heute
- 01Daten liegen in Maschine, Excel und Störungsbuch verteilt
- 02Am Monatsende wird alles per Hand zusammengeführt
- 03Ein halber Tag Arbeit für einen Stand von gestern
- 04Über die Richtigkeit der Zahl wird diskutiert
Digital
- 01Quellen werden einmal angebunden und laufen zusammen
- 02Kennzahlen aktualisieren sich selbst
- 03Ein Blick aufs Dashboard statt halber Tag Arbeit
- 04Alle sehen dieselbe, nachvollziehbare Zahl
Wie der digitale Ablauf aussieht
Die Quellen, die es ohnehin gibt, werden einmalig angebunden: die Stückzahl aus der Steuerung, die Störungen aus der digitalen Erfassung, Auftragsdaten aus dem ERP. Ab dann rechnen sich die Kennzahlen selbst zusammen. Auf einem Bildschirm in der Halle oder im Büro sieht man den aktuellen Stand — nicht den von letztem Monat, sondern den von heute Vormittag.
Wichtig ist mir dabei, dass die Zahlen erklärbar bleiben. Jede Kennzahl lässt sich bis auf die einzelnen Werte aufklappen, aus denen sie entsteht. Es gibt keine Blackbox, die eine Zahl ausspuckt, die niemand nachvollziehen kann — sonst beginnt das Misstrauen von vorn.
Was sich ändert
Der eigentliche Gewinn ist nicht das schönere Diagramm, sondern der frühere Zeitpunkt. Wenn eine Linie heute Vormittag aus dem Ruder läuft, sieht man es heute Vormittag und kann eingreifen, solange es noch etwas zu retten gibt. Aus einer Auswertung, die berichtet, wird eine, auf die man reagiert.
Und die Besprechung ändert ihren Charakter: Statt über die Herkunft der Zahlen zu streiten, redet man über die Sache. Der halbe Tag Aufbereitung entfällt komplett — die Zeit steckt dann in dem, was die Zahlen zeigen, nicht in ihrer Entstehung.
Womit die Auswertung anfängt
Ich beginne nie mit einem Dashboard, sondern mit einer Handvoll Fragen: Welche drei Zahlen schauen Sie sich heute schon an, und warum genau diese? An welcher Zahl entzündet sich in der Besprechung regelmäßig Streit? Und welche Entscheidung würden Sie anders treffen, wenn Sie die Zahl nicht am Monatsende, sondern am selben Tag hätten? Aus den Antworten ergibt sich, was zuerst gebaut wird.
Erst danach schauen wir uns an, wo die Daten herkommen — Steuerung, Störungserfassung, ERP — und wie sie sich verlässlich anbinden lassen. Der Reiz liegt nicht darin, möglichst viele Kennzahlen anzuzeigen, sondern die wenigen richtig, aktuell und nachvollziehbar. Ein überladenes Dashboard, das niemand mehr liest, ist am Ende genauso wertlos wie die Excel-Auswertung, die es ersetzen sollte.
Deshalb bleibt die erste Version bewusst schlank: die zwei oder drei Zahlen, die wirklich eine Entscheidung auslösen, verlässlich angebunden und live. Wächst das Vertrauen in die Daten, kommen weitere Kennzahlen dazu — aber erst dann, wenn klar ist, welche Frage sie beantworten sollen. So entsteht nach und nach eine Auswertung, die im Betrieb tatsächlich genutzt wird, statt einmal aufgesetzt und dann ignoriert zu werden.
Kurz erzählen, wo im Betrieb täglich Zeit verloren geht — der erste Blick darauf kostet nichts.
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